Urteil: Kontakt mit positivem Hotelmitarbeiter kein Reisemangel

22. April 2021 Aus Von Gerlach

Der Kontakt mit einem mit dem Coronavirus infizierten Hotelmitarbeiter stellt keinen Reisemangel dar. Das haben Richter des Amtsgerichts Hannover entschieden. Geklagt hatte eine Familie auf Rückzahlung des Reisepreises. Darüber hinaus forderte sie Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit sowie einen Ersatz von Fahrtkosten. 

Die Familie war laut einer Mitteilung des Amtsgerichts in der Zeit vom 26. Juni bis 6. Juli 2020 in einer Club-Anlage in Österreich untergebracht. In der Anlage wurden regelmäßig Corona-Tests bei den Hotelmitarbeitern durchgeführt. Diese seien bis zur Anreise der Familie negativ gewesen. 

Nach der Anreise sei jedoch ein Mitarbeiter, der bei einem Fahrradverleih arbeitete, positiv getestet worden. Es habe der Verdacht bestanden, dass sich die Familie angesteckt haben könnte, sodass die Urlauber von den lokalen Behörden vor die Wahl gestellt worden seien, den Rest des Urlaubs in ihrem Hotelzimmer in Quarantäne zu verbringen oder die Heimreise anzutreten. Daraufhin sei die Familie am 29. Juni nach Hause gefahren, heißt es in der Pressenotiz des Gerichts. 

Richter: Allgemeines Lebensrisiko

Weil der Veranstalter daraufhin nur einen Teil des Reisepreises zurückzahlte, zog die Familie vor Gericht. Erfolglos. Nach Ansicht der Richter habe kein Reisemangel vorgelegen. Reisemängel lägen dann vor, wenn die Reise nicht die vereinbarte Beschaffenheit habe, so die Richter. „Dass die Parteien eine konkrete Vereinbarung getroffen hätten, wonach Inhalt der Reise sein sollte, dass im Reisezeitraum kein Mitarbeiter der Urlaubsanlage an Covid-19 erkranken würde oder keine behördlichen Maßnahmen gegen die Klägerinnen verhängt werden würden, tragen die Klägerinnen nicht vor. Es gibt auch keine Anhaltspunkte dafür, dass eine solche Vereinbarung konkludent geschlossen werden sollte.“ 

In Bezug auf Erkrankungen und Unfälle müsse der Veranstalter auch nicht für Ereignisse einstehen, die dem allgemeinen Lebensrisiko zuzuordnen sind und außerhalb der von ihm geschuldeten Leistung geschehen. Auch habe die Familie nicht erwarten können, während ihrer Reise auf keine mit dem Coronavirus infizierten Menschen zu treffen. 

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Source: https://www.touristik-aktuell.de/rss-feed/kategorie/nachrichten/rss.xml

Teilt uns