Sanfte Wanderauszeit im Tiroler Kaisergebirge

Sanfte Wanderauszeit im Tiroler Kaisergebirge

15. Oktober 2020 Aus Von Gerlach
Entschleunigung, Nachhaltigkeit und idyllisch-authentische Gebiete – das steht für viele heuer ganz oben auf der Urlaubswunschliste. Denn: Durch Corona haben sich die Prioritäten verschoben. Statt Südseeflair und Partyurlaub wollen viele heuer lieber wandern und genießen im Hinterland – und das so regional und nachhaltig wie möglich. Doch, was macht einen möglichst verträglichen Urlaub eigentlich aus? Wo in Österreich gibt es Orte, in denen man als Gast noch ein lebendiges Dorfleben und eine intakte Natur vorfindet? Und vor allem: Wo lassen sich noch Berge entdecken, die nicht von Liftstützen verbaut sind, sondern dazu einladen, eins mit der alpinen Kulisse zu werden?

In den heimischen Alpen gibt es mittlerweile mehrere Optionen, bei denen man das Auto getrost daheim stehen lassen kann und trotzdem mobil ist. Übernachtet wird in naturnahen oder zumindest regional geführten Unterkünften. Und immer mehr wird auch darauf geschaut, dass Einheimische und Touristen miteinander in Kontakt kommen, sich gegenseitig kennenlernen und Wissen austauschen.

Das Tiroler Kaisergebirge ist geradezu prädestiniert für eine solche Auszeit. Im Folgenden gibt es drei Tipps für einen verträglichen Bergurlaub in den Alpen.

#1: Mit dem Zug anreisen & Öffis nutzen

In die Region Wilder Kaiser kann man ganz einfach mit dem Zug und Bus reisen. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Kufstein, Wörgl und St. Johann in Tirol. Von dort aus gibt es regelmäßige Busverbindungen in die vier Tal-Orte Söll, Scheffau, Ellmau und Going. Der Wunsch der Bevölkerung der Region: Immer mehr Gäste sollen öffentlich anreisen. Deshalb wurde unter anderem eine Kooperation mit der Deutschen Bahn eingegangen.

Dorzentrum von Ellmau am Wilden Kaiser
Die Sonne steht über dem Dorzentrum von Ellmau am Wilden Kaiser @TVB Wilder Kaiser/Lichtar.at

Wer hingegen viele Koffer bei sich hat oder nicht auf ein Minimum an Komfort verzichten möchte, für den ist das Bahnhofsshuttle interessant: Der Kleinbus bringt Reisende von den Bahnhöfen Wörgl und Kufstein aus direkt in die gebuchte Unterkunft – und zwar tagsüber genauso wie nachts. Der Transfer muss allerdings mindestens 48 Stunden vor Reiseantritt online oder telefonisch gebucht werden.

Um vor Ort mobil zu sein, eignet sich das Linienbus-Netz ebenfalls. Die Benützung ist mit der Wilde Kaiser GästeCard kostenfrei. In den Genuss dieser Vorteilskarte kommt jeder Tourist nach Vorbestellung in der jeweiligen Unterkunft – ebenfalls kostenlos.

Tipp: Eine zusätzliche Hilfestellung bietet die gratis App Naturtrip. Sie ist eine Art Mobilitätsplaner, um öffentlich leicht erreichbare Ausflugsziele zu eruieren.

#2: Mitten im Naturschutzgebiet wandern

Der „Wilde Kaiser“ und der „Zahme Kaiser“ mit ihren vielen Gipfeln bilden gemeinsam das sogenannte „Kaisergebirge“ – und das steht seit den 1960er Jahren unter Naturschutz.

Ins Kaisergebirge führt nur eine einzige künstliche Aufstiegshilfe: Der Kaiserlift Kufstein, der Wanderer auf das Brentenjoch im Kaisertal bringt. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, wurden keine weiteren Lifte oder Gondeln gebaut. Beim Wandern oder Biken bewegt man sich also tatsächlich in unberührter Natur.

Die Bewegung an der frischen Luft und das beruhigende Grün der umliegenden Pflanzen sind die ideale Kombination, um neue Energie zu tanken: Im Naturschutzgebiet Kaisergebirge sprießen rund 940 Blütenpflanzen, 38 Farnarten und mehr als 400 Moosarten. Die Mischwälder sind von Buchen, Weiß-Tannen und Fichten geprägt. In höheren Lagen kommen Eschen, Bergahorn und Erlen dazu und noch weiter oben wandert man durch Latschen und rosa blühenden Almrausch.

Wilder Kaiser Sonnenaufgangswanderung
Sonnenaufgang über dem Kaisergebirge @TVB Wilder Kaiser/Stefan Leitner

Naturschutzgebiet Kaisergebirge
Naturschutzgebiet Kaisergebirge @TVB Wilder Kaiser/Matthäus Gartner

Hintersteinersee am Wilden Kaiser
Der Hintersteinersee von oben @TVB Wilder Kaiser/Manuel Bialucha

Aussichtsreiche Wanderungen im Kaisergebirge, die mit Öffis erreichbar sind:

  • Mit dem Wanderbus zum Hintersteinersee, Ausgangspunkt ist das Dorfzentrum in Scheffau
  • Eine Sonnenaufgangstour zu einer der vielen Hütten, die Frühstück am Berg anbieten
  • Der Panoramaweg in Ellmau am Wilden Kaiser, Startpunkt ist das Dorfzentrum

#3: Teil einer nachhaltigen Tourismusentwicklung werden

Als Tourismusregion hat man sich am Wilden Kaiser viele Gedanken über die Zukunft gemacht. Die zentrale Frage lautete dabei: Welcher Tourismus nützt allen? Das Ergebnis: Nicht nur zufriedene Urlauber sind das Ziel der Gastwirte – um nachhaltig und ganzheitlich zu handeln, geht es um weit mehr: Auch Einheimische und Mitarbeitende von touristischen Betrieben sollen sich hier wohlfühlen.

Dorffest in Scheffau am Wilden Kaiser
Tanz im Mondschein beim Dorffest in Scheffau @TVB Wilder Kaiser/Daniel Reiter & Peter von Felbert

Deshalb wird zum Beispiel besonders darauf geachtet, dass die Dorfzentren lebendig bleiben. Fußgänger sollen sich hier sicher und frei bewegen können – dafür sorgen etwa Begegnungszonen. Bei der Gastronomie wird auf Qualität und Regionalität großer Wert gelegt. Die Veranstaltungen sollen nicht nur für Touristen, sondern auch für Einheimische interessant sein. Auch die vielen Freizeitangebote können von der lokalen Bevölkerung ebenso genutzt werden wie von den Gästen.

Wenn es um die Hotelbetten geht, wurde ebenfalls ein ressourcenschonender Weg eingeschlagen: Bestehende Unterkünfte sollen besser ausgelastet werden, etwa in der Nebensaison. Auf den Bau neuer Hotels will man dafür so gut es geht verzichten. Das schützt noch unverbaute Wiesen, bewahrt die Einheimischen vor zu viel Lärm und sichert somit die Lebensqualität.

Unterkünfte in der Region setzen zunehmend auf sanften Tourismus. Zum Beispiel in der Kaiserlodge kann man im Urlaub selbst mit regionalen Produkten kochen. Die Kräuter für das zugehörige Restaurant und die Peelings und Öle für das Spa kommen aus dem hoteleigenen Kräutergarten. Und bei Kräuterworkshops werden die frisch gepflückten Pflanzen gemeinsam mit den Gästen zu Cremen, Ölen und Salzen verarbeitet.

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