Reisevertrieb: Mit welchen Veranstaltern in die Zukunft?

4. Januar 2022 Aus Von Gerlach

Die Corona-Pandemie wird die Touristikbranche und somit auch den Markt der Reiseveranstalter nachhaltig verändern. Offen ist, wie eine neue Rangordnung aussehen wird, sowohl für den Gesamtmarkt als auch bei den Reisebüro-Ketten und -Kooperationen. 

Absehbar ist, dass der früher dominante Marktführer TUI an Gewicht verliert und Konkurrenten wie Schauinsland, Alltours und vermutlich auch FTI Boden gut machen. Zudem werden Mittelständler wie Ferien Touristik/Coral Travel sowie kleinere Spezialveranstalter Marktanteile hinzugewinnen.

Schmetterling und DER setzen auf Nischenanbieter

In die Karten lassen sich die Zentralen der Ketten und Kooperationen bei ihrer strategischen Planung nur bedingt schauen. Wichtig ist für sie erst einmal, mit allen wichtigen Playern Verträge für das neue Touristikjahr abzuschließen, was inzwischen offenbar zum Großteil erfolgt ist. Dem Vernehmen nach waren Anfang Dezember nur wenige Verhandlungen noch nicht abgeschlossen, unter anderem fehlte unter einigen TUI-Verträgen die Unterschrift.

Davon abgesehen sieht etwa Schmetterling zunächst einmal die positiven Seiten: „Wir sind froh, dass bislang alle Veranstalter noch an Bord sind und wir sie weiter an uns binden konnten“, berichtet Chefin Anya Müller-Eckert. Schmetterling biete „schon immer ein breites Sortiment an Veranstaltern ohne Einschränkungen“. Zuletzt habe man „sogar noch ein paar Nischenanbieter hinzugewonnen“.

Letzteres gilt auch für andere Verbünde. So hat das DER (künftig Dertour Reisebüro) die Zusammenarbeit etwa mit Chamäleon ausgebaut. Der AER hat weiter in sein Spezialisten-Portal Axolot investiert und gemeinsam mit Aerticket das Portfolio an eigenen Spezialveranstaltern ausgeweitet (Boomerang, Explorer, STA, Travel Overland, Select Luxury Travel).

Auch TSS und Alltours Reisecenter stocken auf

Derpart sowie die zur DTPS-Allianz gehörenden Kooperationen, darunter Protours und Tourcontact, sind wie das DER näher an Chamäleon herangerückt und haben zudem ASI und Arosa Flusskreuzfahrten im eigenen Portfolio aufgewertet. Das gleiche gilt für Aldiana, seitdem der Clubanbieter zu 50 Prozent zu DER Touristik gehört. Alle genannten Anbieter genießen innerhalb der DTPS nunmehr denselben Status wie die konzerneigenen Veranstalter von DER Touristik.

Aufgestockt hat TSS: Unter anderem kamen Spezialisten wie DCS Touristik, Ferry Know How, Reisen Aktuell, Gebetsroither, Ultramar und Womofox zum Portfolio hinzu.

Bei der TVG-Kette Sonnenklar TV soll die Marke des Fernsehsenders intensiver genutzt und das dort präsentierte Angebot stärker in den Vordergrund gerückt werden. Das heißt: mehr FTI, mehr Hotels von Orascom und der eigenen Meeting-Point-Kette.

Die Alltours Reisecenter wiederum wollen verstärkt Nischenprodukte für bestimmte Zielgruppen ins Portfolio nehmen, darunter Hausboote, Abenteuer-Reisen und Segeltörns. Im klassischen Segment soll mehr auf „preferred partner“ gesteuert werden. Wer genau das ist, muss sich noch zeigen – Alltours freilich ist gesetzt. Die Büros von Holiday Land können sich über bessere TUI-Konditionen freuen und sollen entsprechend steuern. Neue Sortimentsveranstalter sind Tourenia und Camp Go.

Alpha mit neuen Leitveranstalter, RTK „weitgehend stabil“

Einen gänzlich neuen Leitveranstalter hat der Alpha-Verbund. Der Grund dafür liegt jedoch nicht bei Corona, sondern in der Cook-Pleite im Herbst 2019. Sie führte zum Einstieg von Schauinsland in das 50:50 Joint-Venture mit RTK. Damit sind die Duisburger klarer Leitveranstalter der rund 700 angeschlossenen Reisebüros – und auch bereits der Veranstalter mit den höchsten Umsätzen bei Alpha.

RTK berichtet indes von einem „weitgehend stabilen“ Veranstalter-Portfolio. Interessant wird sein, wie der neue Kollektivvertrag die interne Steuerung beeinflusst. Während einige der an dem Projekt teilnehmenden Büros davon berichten, durch die Zehn-Prozent-Grundprovision bei TUI stärker als früher auf den langjährigen Marktführer zu steuern, tun andere offenbar bewusst das Gegenteil.

Insgesamt sind beim Kollektivvertrag mehr als 20 Veranstalter, darunter auch FTI, an Bord. Die RTK-Zentrale will mit dem Projekt, das Teil der Omnichannel-Strategie der Kooperation ist, den Wettbewerb der Reisebüros mit der Online-Konkurrenz stärken. So könnten sich teilnehmende Reisebüros „stärker auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren“, etwa die Pflege der Kundenbeziehungen und den Ausbau des Geschäfts, betont RTK-Chef und QTA-Sprecher Thomas Bösl.

Source: https://www.touristik-aktuell.de/rss-feed/kategorie/nachrichten/rss.xml

Teilt uns