Kubicki: Scharfe Kritik an LH-Hilfen und Verbänden 

22. April 2021 Aus Von Gerlach

Die Verbände agierten teilweise wie Beamte – und die Staatshilfen für Lufthansa seien unlogisch. Das sagt der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki in der neuen Folge des Reisepodcasts mit Sven Meyer und Andy Janz, Hin & Weg. 

Ihm leuchte nicht ein, warum der Staat neun Milliarden Euro in Lufthansa reingepumpt habe, „damit sie ihre A380 Flugzeuge irgendwo ausparken können“. Gleichzeitig kümmere man sich um die Tourismusbranche „nur rudimentär“. 

Privater LH-Investor wäre besser
„Das ist ein echter Hammer“, kritisiert der FDP-Politiker. Denn der Wertschöpfungsbeitrag von Lufthansa sei „mit Sicherheit deutlich geringer als jener der Tourismusbranche“. Auf den Einwurf, dass ein nationaler Carrier wichtig für Deutschland sei, erwidert der stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP: „Fluggesellschaften gibt es wie Sand am Meer. Wenn es die Lufthansa nicht wäre, dann würde das eine andere Airline übernehmen. Oder ein privater Investor der auch bereit wäre, noch Geld mitzubringen, um das nicht aus Steuermitteln zu begleichen.“ 

Zweiter Gast in der neuen Folge des wöchentlichen Podcasts, bei dem touristik aktuell als Medienpartner agiert, ist Timo Kohlenberg, Chef des Veranstalters America Unlimted. Er monierte unter anderem, dass die Politik zwar sehr schnell einen Autogipfel organisieren könne, aber der Tourismus mit seinen drei Millionen Arbeitgebern trotz der dramatischen Situation nach wie vor kaum Gehör finden würde in Berlin. 

Verbände agierten teilweise wie Beamte 
Kubicki schreibt dies dem mangelnden Organisationsvermögen der Touristikbranche im Vergleich zu den Autobauern zu: „Wenn 100.000 Beschäftigte der Tourismus-Industrie in Berlin auf die Straße gehen würden, dann würde die Politik ganz anders reagieren, als sie das gegenwärtig tut.“ Zudem plädierte der FDP-Politiker dafür, dass Unternehmer wie Timo Kohlenberg direkt von der Politik angehört werden sollten, denn Verbandsvertreter agieren oft eher wie „öffentlicher Dienst“ und seien von der Mentalität her oft schon „quasi halbe Beamte“. 

Er sehe das etwa bei seinen „Freunden von der Dehoga. Die könnten die „ganze Bandbreite der Probleme in diesem Bereich gar nicht ordentlich abdecken“. Zudem hätten sie seit Jahren die gleichen Kommunikationspartner in Berlin. „Da gibt es so eine Art common sense zwischen den Beteiligten – dass man zwar klagen muss aber nicht ganz so doll auftreten muss.“, stellte Kubicki fest. 

Urlaub ist „schützenswert“
Darüber hinaus macht Kubicki im Gespräch mit Janz und Meyer deutlich, dass er nichts vom pandemiebedingten Holiday-Shaming hält. Vielmehr hätten Urlaub und Reisen „eine wichtige gesellschaftliche und freiheitliche Funktion“. 

„Urlaub ist ein Teil des Freiheitsversprechens, dass diese Gesellschaft ihren Bürgern gegeben hat. Das ist auch verfassungsrechtlich verbürgt, im Rahmen der allgemeinen Handlungs- und Bewegungsfreiheit“, nimmt der Bundestagsvizepräsident kein Blatt vor den Mund und setzt fort: „Wenn ich durch Urlaub zu einem seelischen Ausgleich komme, dann ist dies ein Wert, den zu schützen unsere Aufgabe ist.“ 

Kubicki zufolge setze sich die FDP nicht für die Tourismusbranche ein, weil es gerade „en vogue“ sei. Vielmehr sei seine Partei davon überzeugt, dass der Tourismus „nach der Pandemie eine zunehmend wichtige wirtschaftliche Rolle spielen wird“. Deshalb müsse man den Menschen die Angst nehmen. „Das ist das Entscheidende, weil die meisten bei Angst in Schockstarre verfallen.“ Dies löse jedoch keine kreativen Kräfte aus. „Deshalb müssen wir diese Schockstarre überwinden“, so Kubickis Appell. 

Auch Timo Kohlenberg unterstreicht den destruktiven Aspekt von Angst für die Touristikbranche. „Die regierenden Parteien in Berlin machen Angst und nehmen sie nicht. Das führt dazu, dass Menschen nicht reisen.“ 

Die Podcasts des ta-Medienpartners Hin & Weg erscheinen jeden Donnerstag und können kostenlos auf allen gängigen Podcast-Plattformen gestreamt und heruntergeladen werden, zum Beispiel im Apple Podcast und auf Spotify

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