Kartellamt wirft Lufthansa Marktmachtmissbrauch vor

30. März 2021 Aus Von Gerlach

Das Bundeskartellamt stärkt im Streit zwischen Lufthansa und Condor um gekündigte Zubringerflüge Ferienflieger Condor den Rücken. Wie die Behörde auf Anfrage mitteilte, sei eine vorläufige Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kündigung einen Missbrauch von Marktmacht darstelle. „Wir stehen jetzt mit der Lufthansa in Gesprächen über die weiteren Schritte. Es wäre natürlich zu begrüßen, wenn die Lufthansa den Vertrag mit der Condor nun doch weiter laufen lassen würde, wie dies einigen Presseberichten der vergangenen Tage zu entnehmen war“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Auch touristik aktuell hatte über die mögliche Wendung berichtet. Ein Sprecher der Airline hatte Anfang der Woche erläutert, man erwäge eine Rücknahme der Kündigung. Eine finale Entscheidung sei aber noch nicht getroffen. Diese scheint nun von den Wettbewerbshütern abgenommen worden zu sein. 

Lufthansa hatte Special Pro Rate Agreement zum Juni 2021 gekündigt

Seit 21. Januar führt das Bundeskartellamt ein Verfahren gegen Lufthansa. Anlass ist wie berichtet die Kündigung des so genannten Special Pro Rate Agreement mit Condor zum Juni 2021. Dem Ferienflieger ist es mit dieser kommerziellen Vereinbarung unter anderem möglich, Lufthansa-Zubringerflüge über eigene Vertriebskanäle zu vermarkten. 

Man sei „vorläufig der Auffassung, dass Lufthansa mit der Kündigung ihre marktbeherrschende Stellung bei Zubringerflügen missbraucht und Condor in ihrem Langstreckengeschäft schwerwiegend behindert“, teilt das Bundeskartellamt mit. 

Kranich-Airline hat laut Kartellamt auf zahlreichen Strecken Monopolstellung 

Nach vorläufiger Bewertung sei Lufthansa bei der Zubringung von Fluggästen zu Langstreckenflügen von deutschen Hubs marktbeherrschend. Die Kranich-Airline habe auf zahlreichen Strecken der Zubringernetze eine Monopolstellung. Am Flughafen Frankfurt halte sie mehr als zwei Drittel der verfügbaren Slots, heißt es in der Begründung des Bundeskartellamts. Keine andere Airline verfüge dort über mehr als fünf Prozent der Slots. 

Etwa 25 Prozent der Passagiere der Condor-Langstrecken nutzten laut Bundeskartellamt einen Zubringerflug nach Frankfurt, um dort in eine Condor-Maschine umzusteigen. „Ohne diese Zubringerpassagiere kann die Langstrecke der Condor nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen nicht wirtschaftlich betrieben werden“, erläutern die Wettbewerbshüter. Für Condor sei es so „weder möglich noch zumutbar, auf alternative Zubringermöglichkeiten zurückzugreifen“. 
 
Zwar habe Condor auch nach der Kündigung die Möglichkeit, Zubringerflüge bei Lufthansa zu buchen. Diese seien jedoch nach den Ermittlungen des Bundeskartellamts nicht ausreichend. „Condor kann damit nicht planbar und verbindlich kombinierte Flugverbindungen insbesondere gegenüber Reiseveranstaltern und Reisebüros anbieten.“ 

Lufthansa hat bis 7. April Zeit für eine Stellungnahme

Lufthansa könne nach wie vor im Hinblick auf Preis und Leistungsangebot in Wettbewerb zu Condor treten. „Allerdings muss verhindert werden, dass Lufthansa als marktbeherrschendes Unternehmen, ihre Wettbewerber auf der Langstrecke von einer Vorleistung – hier den Zubringerflügen – abschneidet, um ihre Wettbewerbsposition auf der Langstrecke zu stärken“, heißt es in der Begründung des Kartellamts. 
 
Lufthansa habe nun die Gelegenheit, bis zum 7. April 2021 gegenüber dem Bundeskartellamt Stellung zu nehmen. Danach wollen die Wettbewerbshüter darüber entscheiden, ob einstweilige Maßnahmen erlassen werden.

Die Kranich-Airline wollte sich zum Prüfungsergebnis des Bundeskartellamts auf Nachfrage von touristik aktuell nicht äußern. „Uns liegt aktuell noch keine finale schriftliche Entscheidung des Bundeskartellamtes vor – auch läuft derzeit noch die Frist zur Stellungnahme. Daher können wir die Aussagen nicht kommentieren."
 

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