Initiative One Voice arbeitet an „Fair Deals“

18. September 2020 Aus Von Gerlach

Vier Online-Workshops mit Veranstaltern, zwei mit Reisebüros, 35 Seiten Protokolle: Beim ersten „Live-Meeting“ der Initiative One Voice in der neuen Zentrale von Condor konnten sich die anwesenden Teilnehmer nicht über mangelnde Arbeit beklagen. Das Ziel sind so genannte Fair Deals. Unter diesem Motto soll die Zusammenarbeit zwischen kleinen und mittelgroßen Veranstaltern mit dem Reisebüro-Vertrieb auf eine neue Basis gestellt und für beide Seiten fairer und erfolgversprechender gestaltet werden.

Initiiert wurde das Ganze von den Touristikprofis Christiane Blaeser und Berend Rieckmann, mit an Bord sind unter anderem der Mittelstandsverband ASR, das Forum anders Reisen, die Kooperation AER und der Verband Internet Reise Vertrieb (VIR).

 

60 Veranstalter mit an Bord

Bei den ersten Workshops waren insgesamt 60 kleine und mittelständische Veranstalter dabei. „Die Unsicherheit bei vielen ist groß“, berichtet Blaeser, viele wüssten nicht, wie sie mit den jüngst aufgestellten Forderungen der Reisebüros umgehen sollten. Am Ende hätten aber alle das gleiche Ziel: Bei einem Neustart des Tourismus an einem Strang zu ziehen und das Geschäft erfolgreich wiederzubeleben.  

Heiß diskutiert wurden bei allen Treffen die Themen Provisionen und Service Charge, Kommunikation und Kundendaten, die mögliche Beteiligung von Kunden an den Kosten bei Reiseabsagen sowie Versicherungen und Stornoregelungen.

Ein Punkt muss im Mittelstand dagegen nicht diskutiert werden: Zur Grundprovision von zehn Prozent stehen nahezu alle Spezialveranstalter. Die Reisebüros fordern allerdings, dass diese Vergütung auch bei einem Storno durch den Kunden gezahlt wird – und zwar auf den ursprünglichen Reisepreis und nicht nur auf die Stornogebühr. Im Fall höherer Gewalt seien dagegen auch fünf Prozent denkbar, heißt es im aktuellen Positionspapier.

 

Kunden sollen am Risiko beteiligt werden

Einig sind sich die Teilnehmer des One-Voice-Projektes darüber, dass es für Kunden einen 100-prozentigen Insolvenzschutz geben muss und dass die Provision der Reisebüros ebenfalls zu 100 Prozent abgesichert werden muss. Der Wunsch der Veranstalter: Die Kosten für die Kundengeldabsicherung müssen grundsätzlich umsatz- und bonitätsabhängig sein.

Von den Airlines wird – vermutlich vergeblich – gefordert, dass künftig analog zu Pauschalreisen nur noch eine Anzahlung in Höhe von 20 Prozent erfolgt. Auch im Flugsegment sollte es eine Kundengeldabsicherung geben, ein Name Change sollte maximal 100 Euro kosten.

Mit Blick auf die Kunden stellt sich die Initiative eine Risikoaufteilung 90/10 vor: Im Fall höherer Gewalt würde der Kunde so mit zehn Prozent an den bereits entstandenen Kosten beteiligt. Damit verblieben je fünf Prozent des Reisepreises beim Veranstalter und beim Reisebüro.

 

Provisionsauszahlung: Schwieriges Thema

Beim Zeitpunkt der Provisionsauszahlung wollen die Mittelständler dagegen nicht den Weg gehen, den große Veranstalter wie FTI und Schauinsland inzwischen einschlagen: Das Auszahlen direkt bei Buchung können sie sich häufig nicht erlauben. Das hat auch damit zu tun, dass die kleinen Spezialisten oft viel höhere Vorauszahlungen an die Leistungsträger in den Zielgebieten leisten müssen als Konzerne, die dabei ihre Marktmacht ausnutzen und Hotels unter Druck setzen.

Genau dies widerspricht ohnehin der Philosophie der Spezialisten. „Uns geht es grundsätzlich um ein faires Miteinander – nicht nur mit dem Vertrieb, sondern auch mit den Partnern in den Zielen“, war ein vielgehörtes Statement während der Workshops.

In der nächsten Woche will die Initiative nun eine erste Version eines Fair Deals formulieren. Wie es dann weitergeht, wird sich zeigen. Ein Alleingang ist One Voice allerdings schon jetzt nicht: Neben den vielen aktiven Partnern steht die Initiative in engem Austausch mit anderen Projekten oder Netzwerken, wie „Brain" mit mehr als 2.000 angeschlossenen Reisebüros und „Vision Touristik Neustart" des ehemaligen TUI-Managers Kurt Koch.

 
 
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