Handelsvertreterstatus: Noch zeitgemäß für Reisebüros?

3. August 2021 Aus Von Gerlach

Seit jeher arbeiten Reisebüros als Handelsvertreter. Doch seit Jahren wird das Modell löchriger. Den Anfang machten die Airlines mit dem Abschaffen der Provision, später folgten neue Vergütungsmodelle im Vertrieb von Hotelübernachtungen. 

Auch im Geschäft mit Veranstaltern stellt sich immer wieder die Frage: „Ist der Handelsvertreterstatus noch zeitgemäß?“ Die Antwort darauf heißt „jein“.

Das jedenfalls war das Fazit einer Diskussionsrunde, die im Rahmen des Projekts „Reisezukunft“ von der Universität Passau organisiert wurde. Mit dabei waren sowohl Touristiker und Vertriebsexperten als auch die Rechtsanwältin Julia Offermann von der Kanzlei Beiten Burkhard.

Juristischer Unterschied oft nicht klar
Deutlich wurde bei dem Webinar, dass vielen Reisebüro-Mitarbeitern der juristische Unterschied zwischen Handelsvertreter- und Maklertätigkeit sowie den Verkauf von Einzelleistungen und der Eigenveranstaltung gar nicht voll bewusst ist. Es bräuchte deshalb mehr Schulungsangebote, um die Konsequenzen der unterschiedlichen Rechtsformen sowie ihre Vor- und Nachteile deutlich zu machen.

Klar ist: Durch selbst aufgelegte Reisen oder individuell zusammengestellte Pakete haben Reisebüros die Möglichkeit, sich stärker am Markt zu profilieren, höhere Margen zu erzielen und sich auf eine bestimmte Zielgruppe zu fokussieren, um so ihr Profil zu schärfen.

Gleichzeitig gebe es dabei aber auch Herausforderungen, machte Anna Schwingenschlögel, Franchise-Chefin der Reisebüro-Kette Reiseland, deutlich. Zu ihnen gehören teure Absicherungen und die komplexe Thematik der Veranstalterhaftung.

Ein weiteres Thema in der Diskussionsrunde war die technische Anbindung von Reisebüros direkt an Leistungsträger oder Zielgebiete, bei denen sich ebenfalls die Frage stellt, in welcher Rolle die Reisebüros dabei agieren.

Veranstalter: Trend zum Direktvertrieb
Die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern wurde in der Runde prinzipiell positiv bewertet. Allerdings zeige sich gerade im Zuge der Corona-Pandemie verstärkt die Tendenz, dass viele Anbieter immer mehr auf den Direktvertrieb setzten und deshalb auch die Reisevertriebsbranche den aktuellen Status überdenke.

Denkbar seien in der Zukunft deshalb hybride Formen anstatt ausschließlich als Handelsvertreter im Namen von Reiseveranstaltern aufzutreten. Eine Handlungsempfehlung wurde während des Webinars nicht ausgesprochen. Vielmehr wurde über Potenziale und Grenzen und über die rechtlichen Hintergründe der verschiedenen Modelle aufgeklärt.

Die Impulsvorträge des Webinars können jederzeit auf der Homepage des Projekts „Reisezukunft“ der Uni Passau abgerufen werden.

Umfrage unter Reiseverkäufern gestartet
Im Anschluss an das jüngste Event wollen die Studierenden der Uni Passau nun Reisebüro-Inhaber und Mitarbeiter in die Diskussion einbeziehen und deren Sicht auf die aktuellen und zukünftig möglichen Vertriebsmodelle in der Touristik erfragen.

Dafür wurde vor einigen Tagen eine Online-Befragung gestartet. Bei ihr geht es darum, welche Relevanz die Eigenveranstaltertätigkeit und der Verkauf verbundener Reiseleistungen bereits in der Geschäftstätigkeit der Reisebüros einnehmen und wie die damit verbundene Chancen und Risiken bewertet werden.

Die Umfrage dauert etwa fünf Minuten und ist bis 15. August online.

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