DRV-Branchencheck: Krise trifft Branche hart

8. Dezember 2020 Aus Von Gerlach

Die Corona-Pandemie hat drastische Auswirkungen auf die Touristikbranche. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen Branchenchecks des DRV eindrücklich, die Hauptgeschäftsführer Dirk Inger während der Jahrestagung präsentierte. An der Umfrage haben rund 200 Reiseveranstalter und 300 Reisebüros teilgenommen.

Etwa drei Viertel der Reiseveranstalter und Reisebüros gehen von Umsatzeinbrüchen von 80 bis 90 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus. Und 90 Prozent der Veranstalter und 95 Prozent der Agenturen bezeichnen ihre Situation als stark belastend und existenzbedrohend, sagte Inger. Die Unternehmen gaben jedoch auch an, die Hoffnung zu haben, trotz hoher Belastung durch die Krise zu kommen. Lediglich vier Prozent der am Branchencheck teilnehmenden Veranstalter und drei Prozent der Reisebüros sehen für sich keine Perspektive mehr.

Überbrückungshilfen überlebenswichtig

Ohne Überbrückungshilfen komme die Reisewirtschaft nicht über den Winter, erläuterten Inger und DRV-Präsident Norbert Fiebig auf der virtuellen DRV-Jahrestagung. Bereits jetzt stütze sich die Branche auf die finanziellen Hilfen, die der Staat biete.

77 Prozent der Reiseveranstalter und 84 Prozent der Reisebüros haben Überbrückungshilfen beantragt. Auch KfW-Kredite kommen der Branche zugute: 42 Prozent der Veranstalter und rund 25 Prozent der Reisebüros haben eine solche Unterstützung beantragt.

Auch Kurzarbeit ist ein wirksames Instrument, um die Krise zu meistern. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen haben laut Fiebig Kurzarbeit beantragt und werden dies auch für das kommende Jahr tun. Jedoch habe es auch schon Kündigungen gegeben: Rund zwei Drittel der Reisebüros und Reiseveranstalter mussten oder müssen Personal entlassen. „Wir müssen aufpassen, dass wir unsere sehr gut ausgebildeten Fachkräfte durch diese Pandemie nicht an andere Branche verlieren“, sagte Fiebig.

Er forderte verlässliche Rahmenbedingungen seitens der Politik, damit das Geschäft wieder anlaufen könne. „Grundsätzlich hat die Regierung einen guten Job gemacht, jedoch muss an einigen Stellen nachjustiert werden“, sagte er. „Dass wir von der Novemberhilfe ausgeschlossen werden, halten wir für falsch und unfair“, fügte Inger hinzu. Darüber müsse weiter diskutiert werden.

Auch den „Zick-Zack-Kurs“ der Regierung beispielsweise mit den Teststationen an den Flughäfen kritisierte das DRV-Duo. „Ergänzend zu einer Impfstrategie brauchen wir eine kluge Teststrategie“, forderte Fiebig.

Politiker tragen Mitschuld

Und kluge Entscheidungen der Bundesregierung: Dem Branchencheck zufolge sind 95 Prozent der Reisebüros und 87 Prozent der Veranstalter überzeugt davon, dass Politiker mit ihren Appellen, auf Reisen zu verzichten, maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Buchungen zum Erliegen gekommen sind. Etwa drei Viertel der Unternehmen sehen darüber hinaus die Durchsetzung von Quarantänemaßnahmen verantwortlich für ausbleibende Reisebuchungen, und auch Reisewarnungen und Einreisebeschränkungen haben nach Ansicht der Befragten negativen Einfluss auf das Buchungsverhalten der Kunden.

Um die politischen Rahmenbedingungen für einen Neustart geht es auch auf der DRV-Jahrestagung. Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung, diskutiert zur Stunde mit Thomas Bösl, RTK-Geschäftsführer, Vanessa Genter, Inhaberin Fox Touristik, Roman Müller-Böhm, Mitglied des Ausschusses für Tourismus im Deutschen Bundestag (FDP) und Markus Ort, Chef von Lufthansa City Center Reisebüro-Partner.

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