Coronavirus: Schwere Zeiten für die Touristik

2. März 2020 Aus Von Gerlach

Das Coronavirus wird für die Touristikbranche zu einer immer größeren Herausforderung. Die ersten Reisebüros bereiten sich bereits auf mögliche Kurzarbeit vor, bei vielen Veranstaltern, Kreuzfahrtanbietern und Airlines agieren Krisenstäbe.

Das große Problem ist, dass momentan niemand weiß, wie lange die Pandemie anhalten wird und welche Dimensionen die Buchungsflaute annehmen wird. „Wir machen zurzeit nichts anderes als stornieren oder umbuchen. Es ist frustrierend“, klagte Ende vergangener Woche ein Reisebüro-Inhaber auf einem Infoabend von touristik aktuell und DER Touristik in Frankfurt am Main.

Analysten von Boston Economics rechnen schon jetzt mit einem weltweiten Verlust von mehreren Milliarden Euro für die Touristikbranche. Vor allem Asien-Reisen und Kreuzfahrten erleben massive Buchungsrückgänge, aber auch der Städtetourismus ist vielerorts deutlich zurückgegangen.

 

Veranstalter locken mit Kulanz

Die deutschen Veranstalter reagieren auf die aktuelle Entwicklung. Um Kunden die Unsicherheit zu nehmen, bot als erster Anbieter Bentour für allen Neubuchungen kostenlose Stornos an. Kurz darauf folgten TUI, Alltours, Schauinsland-Reisen, DER Touristik, FTI und Chamäleon (siehe hier). Eine sinnvolle Aktion – die im Vertrieb auf großes Lob stößt: Es sei in der aktuellen Situation „sehr wichtig, dass Kunden, die ihren Urlaub erst in einigen Monaten planen, diesen schon jetzt ohne Risiko buchen können“, sagt QTA-Sprecher Thomas Bösl.

Größtes Problem neben der allgemeinen Unsicherheit sind momentan die wechselnden Einreisebestimmungen mancher Länder sowie die verschärften Kontrollmaßnahmen an vielen Grenzübergängen. Zum Teil müssen Reisende einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen und werden anhand von Temperatur-Scannern auf Fieber überprüft. Zum Teil müssen Reisende sogar mit einem temporären Einreiseverbot rechnen.

 

Passolution mit Länderinfos

Aktuelle Infos dazu bietet unter anderem der Dienstleister Passolution. Er hat eine Liste erstellt, in dem für zahlreiche Länder weltweit die aktuellen Einreiseregelungen aufgeführt sind. Zugriff darauf haben alle Reisebüros, die selbst oder über ihre Kooperation einen Vertrag mit Passolution abgeschlossen haben.

Besonders schwer wiegt, dass sich viele Reisebüros, Hotels und Incoming-Agenturen noch nicht von der Thomas-Cook-Insolvenz erholt haben. Die zusätzlichen Belastungen durch das Corona-Virus seien enorm, betont Bernd Schabbing von der International School of Management (ISM). Es sei durchaus denkbar, dass die Folgen des Virus „bei einigen Reiseveranstaltern und Hotels das Fass zum Überlaufen“ bringen, so Schabbing.

 

Hotellerie fordert staatliche Unterstützung

Die Hotelbranche wird bislang vor allem durch die Absagen von Messen und Kongressen getroffen. Aus Sicht der Dehoga ist die Lage bereits so brisant, dass der Dachverband der Hotellerie schon staatliche Unterstützung für geschädigte Betriebe fordert.

Im Veranstaltersegment ist die erste Insolvenz bereits da: Am 21. Februar musste der Hamburger Veranstalter China Tours Insolvenz anmelden.

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