Bentour: Türkei-Urlaub trotz Reisewarnung

22. Juni 2020 Aus Von Gerlach

Die Reisewarnung für die meisten EU-Staaten ist aufgehoben. Für Ziele wie die Türkei besteht sie weiter. Und das, obwohl die dortigen Infektionsraten im Vergleich zu anderen europäischen Staaten nach Angaben der türkischen Regierung niedrig waren. Und auch aktuell sehr niedrig sind.

„Wir sind enttäuscht von dieser Entscheidung“, sagte am Wochenende Mehmet Ersoy, Hotelbesitzer und Tourismusminister der Türkei, während des Opening-Events „Re Turkey“ in Antalya. Die Touristikbranche in seinem Land habe jedenfalls alles getan, um Reisenden einen sicheren Urlaub zu gewährleisten. Und die medizinische Versorgung in der Türkei sei „erstklassig“.

Davon ist auch Deniz Ugur, Geschäftsführer von Bentour Reisen, überzeugt. Und er hat seine Konsequenzen gezogen: Trotz der Reisewarnung hat Bentour bestehende Buchungen nicht storniert, sondern lässt Bundesbürger in die Türkei reisen, wenn sie dies möchten. Falls nicht, können die Kunden kostenlos stornieren.

Möglich ist das Vorgehen, da der Veranstalter seinen Sitz in der Schweiz hat, nicht abhängig von deutschen KfW-Krediten ist und darüber hinaus in der Schweiz haftpflichtversichert ist. „Auch da bewegen wir uns auf sicherem Terrain“, so Ugur.

Aus seiner Sicht können Touristen zurzeit einen nahezu perfekten Urlaub in der Türkei verleben. Die Hygiene in den großen Hotels sei TÜV-geprüft, die Resorts fast leer, die Bedienung erstklassig und Covid-19-geschult. „Ich würde dort jederzeit auch mit meiner eigenen Familie Urlaub machen, wenn ich Zeit hätte“, so Ugur.

Das Vorgehen des Türkei-Spezialisten hat sich inzwischen herumgesprochen: Bei Bentour landen immer mehr Kunden, die von TUI & Co Reiseabsagen erhalten haben. „Wir fliegen gemeinsam mit Sun Express jeden Tag Urlauber nach Antalya“, berichtet Ugur.

Die angedrohte Quarantäne nach einem Türkei-Urlaub ist aus seiner Sicht kein Thema. Nach seinem Rückflug nach Stuttgart habe es am Airport zwar Durchsagen gegeben, verstanden habe die aber kaum jemand.
Zudem sei es in der Türkei inzwischen möglich, sich vor dem Abflug in Antalya für 20 Euro auf Corona testen zu lassen. Der Test dauere fünf Minuten, nach sechs Stunden läge das Ergebnis vor, so Ugur. Er plane jetzt, diesen Test auch in den Hotels anzubieten.

Die Sache mit der Quarantäne nach Rückreise sieht das Auswärtige Amt jedoch ein bisschen anders. Auf der Internet-Seite der Behörde heißt es: „Reisende sollten auch die Reise- und Sicherheitshinweise konsultieren und sich bei den Behörden ihres Bundeslandes über mögliche Quarantänevorschriften bei Rückkehr informieren." Ein entsprechender Link (siehe hier) führt auf eine Seite des Robert-Koch-Instituts, auf der alle Länder gelistet sind, nach deren Besuch Reisenden eine 14-tägige Quarantäne droht. Darunter befindet sich auch die Türkei. Dies sollten Reisebüros auf jeden Fall im Hinterkopf haben, wenn sie Türkei-Reisen verkaufen möchten.

Wohl auch deshalb kämpft Ugur weiter um eine Aufhebung der Reisewarnung. Die ist nicht nur aus seiner Sicht unbegründet. „Das Problem sind nicht die Infektionszahlen. Dass die Türkei als Risikoland eingestuft wird, hat wirtschaftliche Gründe“, sagte Ersoy jüngst in einem Interview mit der Bild-Zeitung. Aus seiner Sicht wollen die europäischen Regierungen, dass die Menschen Urlaub innerhalb der EU machen.

„Wenn die Zahlen nicht stimmen würden – warum sind unsere Krankenhäuser in den Urlaubsregionen leer?“, fragt Ersoy im Bild-Interview rhetorisch. Am Wochenende habe es „zum Beispiel in Antalya nicht eine Neuinfektion“ gegeben, insgesamt gebe es in der Region „nur noch acht aktive Corona-Fälle“, so der Tourismusminister.

Ausführliche Informationen zum Programm „Safe Tourism Certificate“, das allen Gästen während ihres gesamten Urlaubs in der Türkei Sicherheit bieten soll, sind auf der Website der türkischen Agentur für Tourismusförderung und -entwicklung hier in verschiedenen Sprachen zu finden.

 
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